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POSITIVE CORNER #29: Global lernende Gesundheitssysteme

Autorenbild: Bernd Lorscheider
Bernd Lorscheider
18. Sept.
2 Min. Lesezeit

Weltweit stehen die nationalen Gesundheitssysteme vor besonderen Herausforderungen: chronische Erkrankungen bewältigen, alternde Gesellschaften versorgen, auf Pandemien reagieren und dabei nachhaltig, fair und finanzierbar bleiben.


Angesichts des bereits global verfügbaren Wissens wäre es hanebüchen, dieses nicht für die Verbesserung der Gesundheitssysteme und das Wohlergehen der Menschen in allen Ländern weltweit aufzubereiten, auszutauschen und zu nutzen. Das Rad muss nicht überall neu erfunden werden, im schlimmsten Fall sogar weit unter den Möglichkeiten des state of the art. Entscheidend hierfür ist es, gute Erfahrungen über Grenzen hinweg zugänglich zu machen und diese klug an den lokalen Kontext anzupassen.


Die Partnership for Health System Sustainability & Resilience (PHSSR) organisiert genau dieses globale Lernen: Forschungsteams untersuchen Gesundheitssysteme mit einem gemeinsamen Rahmen; Länder werden vergleichbar, Erkenntnisse öffentlich geteilt und in politische Handlungspfade übersetzt. So wird aus vielen nationalen Erfahrungen gemeinsames Wissen für bessere Gesundheitssysteme.


Ein Beispiel: Unter Federführung der PHSSR haben 8 Länder aus Europa und Asien ihre Erfahrungen zur frühen Prävention und Versorgung sog. nichtübertragbarer Krankheiten zusammengeführt. Der richtige Umgang mit beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes ist eine zentrale Herausforderung für fast alle Gesundheitssysteme. Die internationale Zusammenarbeit führt hier zu greifbaren Perspektiven:

"Leistungsunterschiede innerhalb und zwischen den Ländern zeigen, dass Verbesserungen mit dem bestehenden Wissen und den vorhandenen Ressourcen möglich sind. Systeme, die Investitionen und Schwerpunkte auf Prävention, risikostratifizierte Früherkennung, kürzere Diagnosewege und eine integrierte Versorgung chronisch Kranker verlagern, können den Verlauf der Krankheitslast trotz alternder Bevölkerung abmildern. Wer zögert, zementiert Ungleichheiten und treibt die künftigen Kosten in die Höhe. [...] Der Weg in die Zukunft erfordert politischen Mut, anhaltendes Engagement und die Erkenntnis, dass frühzeitiges Handeln nicht nur kosteneffizient, sondern auch moralisch unerlässlich ist."

Bisher hat PHSSR bereits eine internationale Lernplattform mit Forschung aus über 30 Ländern aufgebaut. Länder- und Gebietsanalysen machen unterschiedliche Erfahrungen sichtbar und helfen, wirksame Ansätze nicht isoliert neu zu erfinden, sondern kontextsensibel voneinander zu lernen. Die Länderstudien werden von internationalen und nationalen Partnern durchgeführt, damit globales Wissen nicht einfach kopiert, sondern auf lokale Bedarfe übertragen wird.


Im Zentrum der ω-Dimension der Führung steht hier die Frage:


Wie nutzen wir wirksam und sinnvoll das der Menschheit zur Verfügung stehende Wissen? 


Wenn menschliches Wohlergehen, Würde und Teilhabe der Maßstab sind, wird Wissen nicht gehortet. Gute Ideen dürfen wandern.

Das ist das Gegenmodell zu nationalen Eigenbröteleien oder dem „Not-invented-here“-Syndrom. Nicht alles muss neu erfunden werden. Wissen und Ressourcen lassen sich besser nutzen, wenn wir Erfahrungen offen teilen, kritisch prüfen und gemeinsam weiterentwickeln – zum Wohl aller Menschen.

 
 
 

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