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POSITIVE CORNER 23: Gutes Wachstum mit Voraussicht und Verantwortung

Autorenbild: Bernd Lorscheider
Bernd Lorscheider
8. Aug.
2 Min. Lesezeit

Das Wissenschaftsmagazin Science hat den Aufstieg erneuerbarer Energien zum „Breakthrough of the Year 2025“ erklärt. Solar- und Windenergie werden zunehmend gewählt, weil sie wirtschaftlich attraktiv sind und die Energieunabhängigkeit stärken. Das war nicht von Beginn an so, sondern ist die Folge einer langfristigen, stetigen und vorausschauenden Lenkung durch Länder und Institutionen, die diesen Bedarf erkannt haben.

Darin liegt eine starke Analogie zur ω-Dimension der Führung. Sie fordert, dass Entscheidungen nicht bei kurzfristigem Eigeninteresse der eigenen Organisation oder der nächsten Quartalslogik enden. Führung integriert hier die Interessen der Menschen in größeren Zusammenhängen und übernimmt Verantwortung für die Folgen über den eigenen Horizont hinaus.


Der Forscher Theodore Modis hat an vielen Beispielen gezeigt, dass die daraus resultierenden "natürlichen" Wachstumsprozesse oft mithilfe von Sigmoid- bzw. S-Kurven beschrieben werden können: Nach einer langsamen Anlaufphase folgt beschleunigtes Wachstum, bevor sich die Entwicklung wieder abflacht.

Die belebte Natur kennt sich damit bestens aus. Menschen, Säugetiere und Vögel wachsen körperlich gemäß einem solchen Verlauf. Sobald sie ausgewachsen sind, geht das "Wachstum" bzw. die Entwicklung auf einem anderen Pfad weiter. Die Individuen wachsen nicht mehr, sie bilden aber z.B. Gemeinschaften und Gruppen, die wiederum bis zu einem gewissen Punkt wachsen und gedeihen können. Bestimmende Größen für ein solches Wachstum sind dabei die Steuerungs- und Reproduktionsfähigkeit sowie die Ressourcen-Kapazität des Umfelds.


Erneuerbare Energien scheinen sich gegenwärtig im steilen Abschnitt einer solchen Kurve zu befinden: Skalierung senkt Kosten, niedrigere Kosten vergrößern die Nachfrage, und die Nachfrage ermöglicht weitere Skalierung.


Wachstum mit Voraussicht und Verantwortung
Wachstum mit Voraussicht und Verantwortung

Für Führungsverantwortliche ergeben sich daraus zwei zentrale Erkenntnisse: Erstens: Nachhaltige Veränderungen beginnen oft lange vor dem sichtbaren Durchbruch – durch Investitionen, Geduld, Infrastruktur und gemeinsames Lernen. Zweitens: Auch eine erfolgreiche S-Kurve erreicht irgendwann ihre Grenzen.

ω-orientierte Führung fragt deshalb rechtzeitig: Welche nächste Entwicklungs- und Lernkurve brauchen wir, damit Fortschritt nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt gehen?


Wachstum wird dann zukunftsfähig, wenn es einen natürlichen Verlauf kennt und darin für Menschen und Umwelt verantwortbar bleibt. Darin liegt eine der zentralen Führungsaufgaben unserer Zeit.


 
 
 

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